Die Crew und das Meer

Wir schreiben das Jahr 2006. Ein herrliches Jahr. Bereits fünf Jahre in der Selbstständigkeit, es läuft gut und macht Spaß. Der Sommer kommt, 3 Freunde (die Sogenannten) und ich segeln durch das Meer in Italien. Eine bunte Mischung der Crew. Meine Wenigkeit, der Jüngste, ein klasser Kerl und  Junggebliebener als weiteres Crewmitglied und zwei Chefs. Einer der den Segelschein hat und viel Erfahrung sowie sein Schwager, der Wirt. Die Woche startet gut. Man segelt, hat Spaß und genießt das Wetter sowie die Landschaft.

Die See ist ruhig, es ist der Donnerstag. Man tuckert mit dem Motor durch die Gegend. Es herrscht Flaute. Man verbringt den Tag auf einem Spiegel aus Wasser. Die Segel gesetzt. Zum Trocknen in der Sonne gerichtet. Eine Mahlzeit hier, eine Mahlzeit da und jeder das eine oder andere Bier. So kommt es das es ca. 16:00 Uhr ist und wir uns entschließen in den Hafen einzulaufen um die Flaute hinter uns zu lassen. Ich bin überrascht. Der Hafen ist voll. Kein Anlegeplatz am Steg mehr frei. Kein Problem, wir “Ankern”, mit genügend Abstand zu den anderen Booten mitten im Hafenbecken. Die See immer noch speigelglatt und keine Anzeichen eines Windes. Der Chef und der Wirt vereinbaren an Bord zu bleiben, zu kochen und Karten zu spielen. Wir sind ja vier Personen, das ist perfekt. Der Plan ist gemacht und das Ende nimmt seinen Lauf.

Der Hafen und seine Strandpromenade

Nachdem das Boot fixiert ist und der Manöverschluck vollzogen, schweifen meine Blicke über den Hafen. Die Promenade geschmückt von kleinen Lokalen, schier endlosen Geschäften. Touristen und Einheimische tummeln sich und sehen aus wie Ameisen die ihr Zuhause nicht finden. Da ist es um mich geschehen. Ich habe ehrlich gesagt keine Lust am Boot zu bleiben, Karten zu spielen und mich sinnlos zu besaufen. Das mache ich lieber an Land und lerne die Kultur der Menschen kennen. Der Junggebliebene setzt sich neben mich, sieht in meine Augen und ich sage “Das muss angesehen werden. Da muss gegessen, getrunken und flaniert werden”. “GENAU”, ist seine Antwort.

Wir verkünden also unsere Entscheidung heute das Land zu betreten und uns umzusehen. Die Enttäuschung war groß. Kartenspielen zu zweit. Eier nur für zwei. Die Ansage des Skippers “Um spätestens 01.00 seit ihr wieder da. Ihr übernehmt dann die Ankerwache!” Ankerwache? Wozu? Die See ist ruhig! “Ich bin der Skipper und beim Ankern gibt es eine Ankerwache. Ende der Durchsage!”, befiehlt der Skipper mit Nachdruck. Das ENDE läuft weiter …

Das Aben(d)teuer beginnt

Wir nehmen also das Beiboot, werfen den Motor an und tuckern Richtung Abenteuer auf das Land zu. Die typische, abendliche Lärmkulisse ist zu hören. Wir schländern durch die Gegend. Suchen Lokale aus in die wir später gehen könnten. Die Interessen teilen sich plötzlich. Junggebliebener will da hin ich lieber dort hin. Kein Problem. Wir trennen uns und vereinbaren eine Zeit und ein Lokal wo wir uns wieder vereinen und zum Essen treffen. Zwei Stunden jeder für sich schadet nicht wenn man auf engsten Raum miteinander wohnen muss. Zur vereinbarten Zeit treffen wir uns, bestellen gutes Essen, einen guten Wein und erzählen uns von den Sichtungen und Ereignissen der vergangenen zwei Stunden.

“Nach dem Essen sollst du eine rauchen oder eine …. ” so lautet ein Sprichwort. Wir rauchten, denn Zigaretten waren verfügbar und unproblematisch. Wir sehnten uns nach etwas das uns half das Essen zu vertauen. Wir ziehen weiter und entdecken ein kleines, wirklich sehr kleines Lokal. Fünf Tische im Freien, direkt am Meer, der Rest untergebracht in einem Raum. Bei uns würde man sagen Speisekammer. Leute lachen, reden in einer uns unverständlichen Sprache und fühlen sich wohl. Das sind die Einheimischen da gehen wir hin. Wir setzen uns und fühlen uns sicher. Die gastronomische Basis in der Landessprache haben wir verinnerlicht. Wir bestellen also ein gepflegtes kühles Bier und einen BURNER denn das Essen war zu viel und drückt etwas.

Der erste Burner leistet seine Arbeit. Leider nicht genug also folgt der Zweite. Ich denke wir sind vier Crewmitglieder also trinken wir auch noch jeweils einen auf die zwei Stubenhocker. Der Abend läuft super. Wir werden sehr schnell in der Gruppe der Einheimischen integriert. Wir versuchen mit verschiedenen Sprachfetzen, Händen und Füßen und in verschiedenen Sprachkombinationen ein Gespräch zu führen und uns auszutauschen. Man glaubt es kaum aber je später der Abend desto leichter fällt es einem.

Der nächste Tag ist bereits angebrochen. Ich erinnere mich an den Befehl des Skippers. Sehe auf das Hafenbecken. Die Boote bereits finster. Keine Menschenseele zu sehen. Warum halten die alle keine Ankerwache? Die haben wohl einen Skipper der anderen Art. Ja das sind meine Gedanken. Du! Jungegebliebener! Wir sollten dann schön langsam! Meine Worte verlieren sich in der Gemütlichkeit der Nacht. Die nächste Runde wird vom Wirt persönlich und torkelnd serviert. Plötzlich ein vertrautes aber unangenehmes Geräusch. Woher kommt es? Es vibriert. Verdammt das Telefon. Der Skipper ruft. Ich merke wie die Meuterei in mir wächst. Ich habe keine Lust und sehe den Sinn der Ankerwache nicht. Ich bin der Revolution verfallen. Ich hebe also ab, ich will ja nicht unhöflich sein und spiele den Anrufbeantworter.

Der Skipper nicht begeistert murmelt etwas mir Unverständliches ins Telefon und legt auf. Wow, der ist aber betrunken, kann nicht mehr sprechen. Ich berichte meinem Mitstreiter. Der ist sichtlich unbeeindruckt und bestellt die nächste Runde. Ich will eigentlich nicht mehr aber ich gebe mich dem Gruppenzwang hin und vergesse schnell das Gelabere des Skippers. Wiederum einmal ein Blick auf das Hafenbecken. Die Boote sehen alle gleich aus! Der Gedanke kommt mir plötzlich in den Sinn. Die Zeit schreitet voran. Alles Schöne geht einmal zu Ende.

Die Suche nach dem verlorenen Schiff …

Die Uhr zeigt 02:00. Wir brechen auf. Unser Beiboot liegt nicht weit entfernt vom Lokal. Der Junggebliebene weist Sprachstörungen und leichte motorische Probleme auf. Wir erreichen das kleine gemütliche Beiboot. Das Alien, so kann man den Junggeblieben beschreiben, setzt sich in das Raumschiff und beginnt zu starten. “Hey hör auf wir sind noch an Land.” Aliens sprechen eine andere Sprache und somit bleibt meine Bitte unverstanden. Der Motot spring glücklicherweise nicht an. Ich nehme also die Leine des Bootes, begebe mich bis zu den Knien ins Wasser und beginne zu ziehen. Das Raumschiff samt Alien erreicht die rettende See. Der Motor allerdings bleibt immer noch stumm. Das hat uns noch gefehlt. Jetzt müssen wir zwei Ziele so schnell wie möglich erreichen. Das Schiff und den Motor zum Laufen bringen.

Das Alien, egal in welchem Zustand, ist der geborene Techniker und Mechaniker. Er macht sich umgehend an die Fehleranalyse.
Ich, halb Mensch halb Alien, kümmere mich um die Fortbewegung und beginne, mit den Hightechrudern, uns in Richtung Schiffe zu bewegen. Die sehen immer noch alle gleich aus. Der Motor springt an. Wir düsen mit Vollgas los. Wir drehen uns im Kreis. Kurz vorm Schwindel finden wir den Ausgang aus dem Strudel der sich plötzlich im Hafenbecken öffnet. Wir steuern das erste Schiff an. Nicht unseres. Das nächste wird angepeilt. Auch nicht. So geht es eine Stunde. Den Namen des Bootes glauben wir zu wissen. OK! Die Betonung liegt auf “GLAUBEN”. Nach der dritten Runde haben wir es geschafft. Der Skipper mit einer finsteren Miene, in etwa wie der “Schreckliche Sven” in Wiki und die starken Männer, erwartet uns bereits.

Das Alien betritt nun das fremde Schiff und ein Kampf, ein verbaler Kampf beginnt. Das Alien kennt noch nicht die Gepflogenheiten der menschlichen Kommunikation und es eskaliert. OK! Nichts passiert. “Das hat ein Nachspiel. Ihr haltet jetzt bis morgen Früh Ankerwache und wir legen uns schlafen”. Das ist für mich kein Problem, ich bin fitt. Der Skipper tötete mich mit seinem Blick. Wir schreiten also zur Tat.

Die Ankerwache …

Einer Links, einer Rechts, so halten wir konzentriert Ausschau auf die Geisterschiffe, außer uns beiden Lebensformen war ja keine Menschenseele zu sehen, um rechtzeitig auf Gefahren der tobenden See aufmerksam zu werden. Nach einiger Zeit begann das Alien in seiner Sprache Geschichten aus der Heimat zu erzählen. Die unverständlichen Laute wandelten sich ziemlich schnell in ein Grunzen. Jetzt spricht er im Dialeket, ich verstehe gar nichts mehr. Nach einem Blick, einem kurzen Blick um keine Gefahr zu übersehen, sah ich das es friedlich schlummerte. Ich holte mir also ein kühles Bier aus dem Kühlschrank und beobachtete weiter. Das Bier ist kein Problem denn auf Grund der ganzen Aufregung kann ich das Alien in mir besiegen und bin wieder Mernsch.

Ich suche das Meer mit dem Fernglas nach Gefahren ab. Nach Strudeln, Monsterwellen, Riesenungeheuern. Ich kann nichts entdecken. Der Junggebliebene, man kann den Mensch in leichten Zügen erkennen, spingt auf, schaut zum Nachbarschiff und schreit “Die kommen auf uns zu!” “Nein”, beruhige ich ihn. Seine Aufregung ist spürbar. Er startet zur Sicherheit den Motor. Ich, geistesgegenwertig und in Erwartung einiger Probleme durch diese Aktion, stoppe den Motor. Es hat allerdings gereicht um den “Schrecklichen Sven” und seinen Schwager zu wecken. Das Ende läuft in großen Schritten. Ein Wortgefecht beginnt, ja fast eskaliert die Situation wieder da weder Skipper noch der Junggebliebene nachgeben wollen. Es wird leicht gerangelt. Ausgang der Situation, der Junggebliebene geht schlafen um keinen Schaden anzurichten und ich bekam kurz und knapp den Befehl. “Du machst weiter”. “Glaubst du das ist ein Problem für mich?”, ist meine Antwort und ich führe weiterhin meine Aufgabe aus und beobachte die wilde, tobende See um meine Kollegen vor Gefahren und einem möglichen Unglück zu bewahren.

Der Außenseiter ….

Der Morgen bricht an. Der Junggebliebene erwacht, nimmt das Beiboot und fährt damit Richtung Land. Zurück kommt er mit Wasser. Es ist ausgegangen. Die Folgen des Gelages erfordern es Flüssigkeit aufzufüllen. Der Skipper taucht auf. Das Alien überreicht ihm das Wasser und fleht um Verzeihung. Der Skipper ein Freund komischer Lebensformen versöhnt sich. “Guten morgen allerseits”, brülle ich voller Motivation am Ende der nächtlichen Ankerwache. “Trotz tobender See keine Vorkommnisse, alle Gefahren abgewendet”, melde ich wie es sich gehört dem Skipper. Irgendwie ist keiner der Crew wirklich dankbar über meine Arbeit. Meine Worte verhallen im Hafenbecken. Nach dem Frühstück die Einteilung für den restlichen Tag. Der Skipper, sein Schwager und der Junggebliebene entspannen. Der Junge, also meine Wenigkeit fährt uns in den Heimathafen. “Glaubst du das ist ein Problem für mich?”, entgegne ich voller Motivation aber doch mit einem kleinen Anfall von Müdigkeit.

Auf gehts. Anker einholen, Kurs anpeilen und los gehts. Es ist mittlerweile Freitag und ich bin 24 Stunden auf dem Beinen. Der Tag schreitet voran. Mehrere Aktivitäten am Schiff, mehrere Gespräche, ich allerdings in keinem davon wirklich involviert. Meine Beiträge, meine Worte, mein “Ich” verschwinden in der Weite des Meeren. “Leckt mich doch”, dann eben nicht.
Der späte Nachmittag bricht an. Wir erreichen den Zielhafen. Legen an. Ich habe es geschafft und verkünde es dem Skipper natürlich. Nichts, keine Reaktion. OK mir reicht es. Alle drei Kollegen gehen duschen. Ich mache mich auch bereit den letzten Hauch von gestern abzuwaschen. Vorher packe ich aber noch meine Sachen. Ich gehe duschen mache mich Landfein und alle vier gehen Essen.

Stillschweigend in das nächste Lokal. Die Stimmung am Tisch? Leise, still, angespannt, für den letzten Tag im Urlaub echt beschi..en! Ich gehe also mit der Meute Richtung Schiff. Zielorientiert betrete ich  meine Kabine, nehme die Tasche und gehe an Deck wo alle anderen Crewmitlieder versammelt sind. Ich verabschiede mich mit den Worten “Es war mir ein Vergnügen doch jetzt endet es für mich, wiedersehen meine Herren” Entsetzen macht sich breit. Plötzlich spricht man wieder mit mir. Du kann nicht fahren wir sind mit zwei Autos hier. Mit wem fahre ich morgen nach Hause? Es bleibt ja noch ein Auto übrig. Drei Personen und etwas Gebäck das wird zwar eng aber es geht. Und wer von euch beiden vorne sitzt könnt ihr euch heute ja ausschnapsen.” Ich verlasse also das Schiff und schreite zum Auto, verstaue mein Gebäck, werfe die Musikbox an und starte in die Nacht. Es ist mittlerweile 23:00 Uhr und immer noch kein Schlaf in Sicht.  Ich bin aber glücklich alles überstanden zu haben und freue mich auf meine Familie. Am Samstag komme ich morgens an, schlafe etwas und danach fahren wir auf eine Familienfeier. Das war der Plan.

es geht nach Hause …

Mittlerweile ist es Mitternacht. Ich fahre durch eine kleine Stadt. Die Ampel zeigt “Rot”. Als ich das bemerke sehe ich das Rot bereits im Rückspiegel. Mani Achtung konzentriere dich du bist müde. Der Schreck rüttelt an und in mir. Das Adrenalin macht den Rest. Ich erreiche die Autobahn. Wir schreiben Samstag ca. 01.00 Uhr. Ein Schild weist auf eine Baustelle hin. Die Augen werden schwer. Das Fenster ist offen und die Zigaretten fast leer. Die Musik erschallt den Innenraum und die Umgebung ausserhalb. Plötzlich ein grelles Licht im Rückspiegel. Ein durchgehendes Hupen. Vor mir die Leitplanke, neben mit die Baustelleneinfahrt. Das Lenkrad schnell herumreissen. Geschafft. Mein Schutzengel leistet ganze Arbeit und weckt mich rechtzeitig. Der Geist hell wach. Bei der nächsten Ausfahrt bleibe ich stehen. Auf zum Parktplatz, Auto versperren, Embrioposition auf der Rückbank und das Schnarchen beginnt. Es ist 02:30.

Die Sonne scheint ins Auto, Menschen sprechen, sind lustig, mein Körper und der Geist erwacht. Es ist 06:30. Auf nach Hause. Langsam und konzentriert. Ich rufe meine Frau an, erzähle ihr von der Nacht und vereinbare ein Treffen gleich auf der Familienfeier. Ich werde es, so wie es aussieht, rechtzeitig schaffen. So ist es dann auch. Ich treffe so gegen 14:00 bei der Feier ein. Erschöpft, müde aber dankbar. Erstaunt über das was mein Körper und mein Geist leisten kann verabschiede ich mich innerlich von Urlaub und freue mich auf eine Dusche und mein Bett. Von der Crew höre ich nie wieder etwas. Im Lokal des Wirten, einem Crewmitglied, bekomme ich Lokalverbot. Ein Versuch der Versöhnung scheitert. Ich komme aber darüber hinweg, denn wie gesagt:

“GLAUBST DU DAS IST EIN PROBLEM FÜR MICH?”

 


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